Trifokallinsen: Wunder der Medizin.

Zugegeben — manchmal kann es durchaus ein Segen sein, wenn man nicht alles sieht. Ich denke da vor allen Dingen immer noch an eine Person in knallengen weißen Jeans und fröhlich gemusterter Unterwäsche. Außerdem ist gerade die Kurzsichtigkeit natürlich eine hervorragende Ausrede, warum man jemanden angeblich nicht gesehen hat. Diese Ausrede wird bei mir in Zukunft allerdings nicht mehr funktionieren. Seit vorletzter Woche Donnerstag habe ich nämlich neue Linsen, sogenannte Trifokallinsen.

binocularsBei mir ging das mit der Kurzsichtigkeit ratz-fatz. Vor ziemlich genau 2 Jahren kaufte ich mir meine erste Brille mit -1.5 Dioptrie. Damals brauchte ich die Brille allerdings nur zum Autofahren oder Fernsehgucken. Mittlerweile hatte sich meine Kurzsichtigkeit aber nochmals um fast -2 Dioptrie verschlechtert — selbst ein Maulwurf sieht besser! Abgesehen davon, ich HASSE Brillen, ausgenommen Sonnenbrillen. Notgedrungen trug ich die Brille zum Autofahren, aber nie im Leben hätte ich das Ding in der Stadt oder zum Einkaufen aufgesetzt. Lieber habe ich Theo ein rosa Schleifchen um den Kopf gebunden. (Er hatte die Wahl, entweder das oder 5 große, bunte Luftballons an der Schlaufe seiner Jeans. Nachdem ich dann einmal fast den falschen Kerl aus dem Supermarkt mit nach Hause geschleppt hatte, entschied er sich ohne Murren für das rosa Schleifchen.) Es gibt Leute denen steht ihre Brille, meinem Frisör zum Beispiel. Ohne Brille wiegt der plötzlich nur noch die Hälfte. Aber ich bin in allererster Linie praktisch veranlagt. Ich brauche Platz und bequeme Klamotten (und ja, enge Jeans können durchaus bequem sein-!) — eine Brille hingegen stört mich und wirkt beengend! Zudem streiche ich sehr häufig mit meinen Händen durch mein Gesicht und da störte die Brille ebenfalls. Wenn ich mit der Brille dann an mir selbst hinuntersah, kamen mir meine Beine extrem verkürzt vor, beim Treppensteigen nach unten sehen ging gar nicht mehr und auch die Distanz zwischen mir und einem vor mir fahrenden Auto ließ sich mit Brille nicht mehr genau einschätzen, weil die Gläser alle Entfernungen verkürzten. Auch konnte ich mit der Brille zwar weitsehen, doch dafür dann wiederum nichts lesen. Dafür musste ich die Brille erst wieder abnehmen und warten, bis dass meine Augen sich umgewöhnt hatten. In der Zwischenzeit sah ich dann alles verschwommen. Ich hätte heulen können.

multifokallinsen OPAnfang des Jahres hatte ich es endgültig satt! Eine Endlösung musste her! Daraufhin habe ich mich zuerst im Internet schlau gemacht, was es für Alternativen zu den Glasbausteinen auf der Nase gibt. Das mit den künstlichen Linsen erschien mir dabei am praktischsten und auch am vorteilhaftesten. Zuerst stieß ich auf eine Klinik nahe Düsseldorf, die einen recht guten Eindruck machte. Wobei — man sagt ja „Papier hält still“. Das gilt natürlich auch für Webseiten. Ich rief also dort an und erfuhr, dass man allerdings für die Voruntersuchung schon 600 Euro verlangte. Als Begründung gab man dafür an, dass bei dieser Untersuchung auch schon die pupillenerweiternden Tropfen verabreicht würden. Dies hätte aber auch bedeutet, dass ich nach der Untersuchung nicht alleine wieder mit dem Auto nach Hause hätte fahren können. Dann fiel mir ein, dass eine Bekannte sich vor 2 oder 3 Jahren ebenfalls künstliche Linsen hatte transplantieren lassen. Genau wie ich, war sie vorher kurzsichtig gewesen. Also fragte ich zuerst diese Bekannte, wie sie denn mit ihren neunen Linsen zurechtkäme. Super, lautete die Antwort. Meine Bekannte erzählte, dass man bei ihr auch beide Augen gleichzeitig operiert habe, etwas das ich ebenfalls anstrebte, und dass sie gleich nach der OP auch wieder habe sehen können. Spätere Komplikationen, wie ein etwaiges Fremdgefühl in den Augen habe sie auch nie erlebt. Da diese Bekannte ähnlich pragmatisch und praktisch veranlagt ist wie ich, entschied ich mich zu der Klinik Kontakt aufzunehmen, wo auch sie sich hatte operieren lassen. Dort vereinbarte ich ein kostenloses Vorgespräch, inklusive der Voruntersuchung, um festzustellen, ob ich überhaupt als „Linsenträger“ in Frage käme. Bei dieser Voruntersuchung wurden diese pupillenerweiternden Tropfen allerdings nicht angewendet, was ich aber als Vorteil empfand. Die junge Optikermeisterin die dann diese Voruntersuchung größtenteils durchführte, arbeitete meinem Gefühl nach auch sehr sorgfältig und erklärte unter anderem, dass diese pupillenerweiternden Tropfen für die Voruntersuchung gar nicht nötig wären. Alle erforderlichen Informationen entnahm sie den unzähligen Geräten durch die ich schauen musste. Seitdem weiß ich auch, wie sich ein LSD-Trip anfühlen muss. Von roten bis hin zu grünen Spiralen waren alle Farbspektren dabei.  Die junge Frau nahm sich Zeit, beantwortete alle meine Fragen, meines Erachtens nach ehrlich und sie hatte auch Humor. Am Ende der Untersuchung wollte ich nämlich wissen, ob ich denn nun auch einen Lolli bekäme, weil ich so brav gewesen war.

multifokallinsenDer in dieser Augenklinik tätige Arzt transplantiert Linsen schon seit ca. 25 Jahren und operiert zweimal die Woche bis zu 25 Personen, pro OP-Tag. Die Voruntersuchung dauerte relativ lange, ca. 1 Stunde, und zum Schluss warf auch der Herr Doktor selbst noch einen Blick in meine Augen. Dabei wurde mir auch eindringlich aufs Auge gedrückt, dass viele Menschen nach der OP  für längere Zeit das Gefühl hätten ein kleiner Fremdkörper, wie bspw. ein Härchen, befinde sich in den Augen. Auch dass man nachts die Lichter von Autos oder Ampeln mit einem Haloeffekt wahrnähme, wurde mir mehrmals mitgeteilt. Dazu gab es dann auch Fotos, um mir ein Gefühl zu vermitteln, wie ich später mit den neuen Linsen sehen würde. Auch dass die absolute Fernsicht, bspw. Objekte am Horizont, in Grautönen schimmern könnten — all das wurde mir schonungslos erklärt. Bis hin zur Gefahr erblinden zu können. Nun, es sind auch schon Leute an einem Gummibärchen erstickt, dachte ich. Nachdem ich also erklärt hatte, dass ich all dies verstanden hätte und die OP trotzdem wolle, bekam ich einen Termin für Donnerstag vor Ostern. Für mich ein perfektes Datum, weil ich so über die Feiertage theoretisch auch ein wenig Zeit gehabt hätte, meine Augen zu schonen. (Nicht das dies überhaupt nötig gewesen wäre!)

biometricsDiese OP bei der die sogenannten Trifokallinsen eingesetzt wurden kostete 3.600 Euro. Ich bestand allerdings darauf, dass gleich beide Augen operiert wurden, was auch kein Problem war. Bei Leuten die sehr entschlossen und psychisch stabil sind und die sich auch ansonsten in guter körperlicher Verfassung befinden, werden i.d.R. immer beide Augen gleichzeitig operiert. (Theo führte dann am Tag nach der OP, während ich bei der Nachuntersuchung war, ein Gespräch mit dem Herrn an der Anmeldung. Dieser assistierte dem Herrn Doktor vor 25 Jahren bei den ersten Operationen dieser Art. Er sagte auch zu Theo, dass das Operieren von nur einem Auge nur Geldmacherei sei.) So eine OP dauert pro Auge ca. 15 Minuten. In zirka einer halben Stunde ist also alles überstanden. Ich war die Letzte die an diesem Tag operiert werden sollte. Mein Termin war für 16.00 Uhr anberaumt. Bei meinem Eintreffen in der Klinik saßen zu dem Zeitpunkt jedoch noch fünf Personen, die alle noch vor mir an der Reihe waren. Ich fragte mich also schon, warum man mich nicht später bestellt hatte. Doch dann ging alles ruckzuck, auch weil außer einem Herr allen anderen Patienten immer nur ein Auge operiert wurde. Mit meinen 50 Jahren war ich an dem Tag wahrscheinlich auch einer der jüngsten Patienten. Eine entsetzliche dicke Frau mit hochrotem Gesicht, die an dem Tag ihr zweites Auge operiert bekam,  hatte vor der OP so viel Angst, dass sie hyperventilierte und auch darauf bestand, dass ihre Tochter sie bis zum OP begleitete. Sie erzählte jedem, der es hören wollte oder nicht, wie schlecht es ihr nach der ersten OP vor 2 Monaten gegangen sei. Ein ebenfalls sehr dicker Mann hustete in einem durch — und er hustete auch noch, als er dann wieder aus dem OP kam. Am nächsten Morgen zur Nachuntersuchung sah ich ihn wieder und er hustete noch immer, rannte aber ständig raus, um eine zu rauchen. Ich fragte mich, welche Auswirkungen das Husten eventuell auf den Augeninnendruck haben könnte —  oder ein zu hoher Blutdruck. Für alle Operierten standen zudem Getränke und Brötchen mit Wurst und Käse bereit. Die Brötchen waren allerdings schon nicht mehr ganz frisch und ihr Duft war alles andere als appetitlich. Dann kam eine Frau aus dem OP, die von ihrem Enkel begleitet wurde. Die Frau, die für die OP ihr Gebiss hatte ausziehen müssen, verschlang gierig zwei Brötchenhälften, die sie mit den Fingern in Stücke riss, weil ihr Enkel das Gebiss nicht finden konnte. Auch seine Ermahnungen langsam zu Essen, damit die Oma sich nicht „wie beim letzten Mal“ wieder übergeben müsse, machten keinen Eindruck. »Halt den Rand«, bellte Oma mit vollem Mund und ohne Zähne. Und dann geschah natürlich das Unvermeidliche — Oma kotzte! Zum Glück jedoch nicht ins Wartezimmer, sondern draußen in den Flur.  Dennoch geriet danach der restliche OP-Ablauf ziemlich ins Stocken. Gegen 17.00 Uhr wurde ich für die OP zurechtgemacht, bekam Papierschützer über meine Schuhe und ein Häubchen auf den Kopf. Dann wurde ich vor die Tür zum OP gesetzt. Aber es dauerte und dauerte — schließlich bin ich eingeschlafen und wurde erst eine knappe Stunde später von der Narkoseärztin wieder wachgerüttelt. Ich glaube das passiert einem Narkosearzt auch nicht so oft, dass er seine Patienten zuerst wach rütteln muss. Irgendwie ist das auch paradox. Aber wenn ich mich langweile schlafe ich nun mal ein und wenn ich schlafe, dann schlafe ich auch.

Angst vor der OP hatte ich keine, was das angeht, bin ich eben sehr pragmatisch. Wenn etwas in die Hose geht, geht es so oder so daneben — ob ich nun Angst habe oder nicht. Besser ist es entspannt zu bleiben. Und ich will auch immer, dass meine Ärzte entspannt sind, also mache ich Witze. So zähle ich nach dem Verabreichen eines Narkotikums immer Schäfchen. Bei den sogenannten Dämmerschlafnarkosen komme ich jedoch nie weiter als bis 3 oder 4 und schwupp bin ich weg. Dafür bin ich aber auch danach genauso schnell wieder fit. Bei dieser Narkose, einer sogenannten Rauschnarkose, konnte ich allerdings 12 Schäfchen zählen. Shaun war auch dabei, nur dass niemand der Anwesenden darüber lachen wollte! Das ist auch so ziemlich alles woran ich mich noch von der OP erinnern kann. Weil ich nicht wollte, dass man mir diese durchsichtigen Plastik-Augenklappen mit Pflaster auf das Gesicht klebt, fragte ich nach einer Schutzbrille. Von dieser Alternative hatte mir ebenfalls meine Bekannte erzählt. Als ich wieder wach wurde, schlurfte ich gerade am Arm einer Schwester aus dem OP. Zwar mit Schutzbrille, dafür aber mit pitschnassen Haaren. Ich schlussfolgerte daraus, dass so eine OP eine ziemliche Schweinerei ist und auch nicht ohne Blutvergießen durchzuführen ist. Jedenfalls wusste ich nach der OP, was das für ein Geräusch war, dass ich im Wartezimmer immer gehört hatte: Als wenn jemand mit einem Dampfstrahler ein Auto reinigt. Mit einem ähnlichen Gerät werden wohl während der OP die Gesichter der Patienten immer wieder gereinigt? Das würde zumindest auch die nassen Haare erklären. Wohlgemerkt habe ich mir nie so eine Augen-OP im Fernsehen angeschaut und werde dies auch nie tun!

multifokallinsen OP xineTheo nahm mich dann nach der OP in Empfang. Später erzählte er mir, dass ich ziemlich viel wirres Zeug geredet hätte. Daran habe ich keine Erinnerung mehr. Nur das er mir eine Tasse Kaffee reichte und mich fragte, ob ich es schaffen würde diese selbst festzuhalten und dass ich dies natürlich bejahte — und die Tasse keine Sekunde später prompt fallen ließ, daran erinnere ich mich.  In weiser Voraussicht hatte ich mir ein paar eigene Kekse mitgebracht, weil ich irgendwie ahnte, dass die angebotene Verpflegung dort bestimmt nicht so ganz mein Ding sein würde. Nachdem ich meine Kekse dann gegessen hatte (die Erinnerung daran ist allerdings komplett futsch), durfte Theo mich mitnehmen. Im Auto wurde dann auch mein Verstand so langsam wieder wach und ich fing an, mich darüber zu wundern, warum ich so wegetreten gewesen war. (Im Februar hatte ich eine Darmspiegelung mit Dämmerschlafnarkose und wie gewohnt war ich sofort danach wieder fit. Während selbst Leute die ihre Darmspiegelung schon eine Stunde zuvor bekommen hatten noch benebelt in ihren Betten lagen, war ich gleich danach wieder putzmunter. Keine zwanzig Minuten später saß ich auch schon im Auto und fuhr nach Hause. Der Schwester im Aufwachraum hatte ich gesagt, ich käme gleich zurück, ich wolle mir nur in der Cafeteria ein Brötchen holen. Das war gemein und gelogen, aber anderenfalls hätte ich noch 2 Stunden dort bleiben müssen, weil ich niemanden hatte, der mich abholte.)

Schon während der Fahrt nach Hause merkte ich auch schon, dass ich wieder ganz weit in die Ferne gucken konnte ohne dass alles verschwamm. Zwar befand sich in meinen Augen ziemlich viel Salbe, welche die Sicht noch beeinträchtigte, aber dass die Kurzsichtigkeit weg war, war deutlich! Die Fahrt nach Hause dauerte ungefähr eine halbe Stunde und als wir ankamen, war ich auch wieder fit. Während Theo schnell mit Øsel seinen Abendspaziergang machte, Øsel hatte die ganze Zeit über im Auto geschlafen, macht ich schnell Essen warm und checkte noch meine Emails. Später in der Nacht wurde ich jedoch wach, weil mein Puls irgendwie raste und mein Herz stark klopfte. Ich habe einen Ruhepuls von ungefähr 40 Schlägen in der Minute. Das ist sehr wenig, ist aber bei ehemaligen Leistungssportlern normal. Um meinen Puls wirklich auf über 100 Schläge pro Minute zu bekommen, muss ich mich bspw. auf meinem Crosstrainer wirklich sehr, sehr schnell bewegen, aber wenn ich dann stoppe ist mein Puls auch sehr schnell wieder normal. Dass ich einfach so, aus heiterem Himmel und ohne mich körperlich extrem angestrengt zu haben, plötzlich einen erhöhten Puls und Herzklopfen hatte, kannte ich nicht. Ich habe das Ganze dann durch Atemtraining zu regulieren versucht und dabei bin ich zwischendurch auch immer wieder eingeschlafen. Am nächsten Morgen waren Herzschlag und Puls auch wieder normal, aber für meine Verhältnisse hatte ich eine ziemlich schlaflose Nacht verbracht! Meine Augen waren noch ein wenig gerötet, doch sehen konnte ich schon wieder jeden Fliegenschiss und theoretisch hätte ich zu der Nachuntersuchung auch problemlos selbst fahren können.

Weil es Karfreitag war, mussten alle am Tag zuvor operierten um 8.00 Uhr zur Nachuntersuchung wieder in der Klinik sein. Einer der Patienten vom Vortag, der Mann der genau wie ich auch beide Augen operiert bekommen hatte, wurde jedoch von einem Sanitäter und im Krankenwagen gebracht. Seine Frau hatte ihn in der Nacht im Krankenhaus eingeliefert, nachdem er angefangen hatte über Herzrasen zu klagen und sich dann auch noch übergeben hatte. Zwar war mir in der Nacht nicht übel gewesen, aber das Herzrasen hatte ich auch gehabt. Ich frage mich also, ob diese Rauschnarkose wirklich das Richtige ist und ob nicht eine Dämmerschlafnarkose besser wäre. Ich habe auch versucht einiges dazu im Internet zu finden. Zum Beispiel zu den Nebenwirkungen beider Narkosearten oder Rauschnarkose vs. Dämmerschlaf, aber ich habe nicht wirklich etwas Aussagekräftiges finden können. Nur, dass es auch Kliniken gibt, die bei Augen-OPs dieser Art eine Dämmerschlafnarkose anwenden.

Die Nachuntersuchung machte auch nicht Herr Doktor selbst, weil Karfreitag war, sondern ein junger Assistenzarzt. Zur Narkose oder eventuellen Nebenwirkungen wollte oder konnte er mir nichts sagen. Als ich ihn fragte, wann ich denn wieder Sport machen könnte, antwortete er: morgen. Weil ich ziemlich lange Haare habe, fragte ich ihn auch noch, wie ich denn am besten meine Haare waschen könnte, um zu vermeiden, dass Shampoo in die Augen lief. Am besten geht das natürlich mit dem Kopf vornüber gebeugt. Ich hatte aber gehört, dass man genau das in der ersten Zeit nach der OP vermeiden soll. Nein, nein, sagte der Arzt. Sie dürfen den Kopf auf keinen Fall vorbeugen, auch nicht längere Zeit auf den Boden starren, nicht schwer heben und sich auch nicht körperlich anstrengen, für mindestens 3 Wochen. Entweder er hatte meine Frage nach dem Sport also falsch verstanden oder aber er wusste nicht, dass es außer Schach, Halma und Backgammon auch noch andere Sportarten gibt. Naja, Freitagmittag saß ich jedenfalls schon wieder am PC und drei Tage nach der OP habe ich mir auch einfach die Haare mit vornübergebeugtem Kopf gewaschen. Mittlerweile sind 11 Tage vergangen. Geschont habe ich meine Augen nicht, dies ginge auch nur, wenn ich sie zumache und das geht bei mir eben nur nachts oder bei extremer Langeweile — und die kommt bei mir zu Hause nie auf! Allerdings werde ich noch bis nächste Woche auf meinen Sport verzichten, auch weil es meinem Körper mal ganz gut tut, wenn er mal ein paar Tage ruhe hat. Aber natürlich laufe ich nach Möglichkeit zweimal am Tag mit Øsel seine große Runde. Wenn die Sonne scheint trage ich eine Sonnenbrille, aber das habe ich früher auch getan, weil meine Augen auch immer schon sehr Lichtempfindlich waren. Wenn es draußen jedoch sehr windig ist, lasse ich Theo mit Øsel spazieren gehen, weil ich den heftigen Wind hier am Niederrhein momentan noch als unangenehm empfinde (Hand auf’s Herz, es ist auch eine prima Ausrede.) Das Weiße in meinen Augen ist mittlerweile nicht mehr gerötet, aber an den Außenseiten neben den Pupillen, kann ich immer noch erahnen, wo der kleine Schnitt gemacht wurde, durch den die Linsen transplantiert wurden.

Die Kortisontropfen die ich in der ersten Woche mindestens fünfmal täglich und danach noch mindestens dreimal täglich anwenden soll, solange, bis die Tropfen alle sind, nehme ich natürlich nur nach eigenem Ermessen — immerhin ist es Kortison. In den ersten beiden Tagen habe ich die Tropfen morgens, mittags und abends benutzt. Danach nur noch, wenn ich merkte, dass meine Augen müde wurden, meist geschieht das so am frühen Abend. Gleich danach beruhigen sich meine Augen dann wieder, allerdings habe ich nachdem ich die Tropfen benutzt habe, immer für ca. eine halbe Stunde tatsächlich das Gefühl ein kleines Härchen befinde sich in den Augen und ich sehe auch nicht alles so scharf wie ohne Tropfen. Dies sind allerdings die Nebenwirkungen der Kortisontropfen, die auch genauso im Beipackzettel vermeldet sind. Ansonsten habe ich weder das Gefühl das sich ein störender Fremdkörper in meinen Augen befindet, noch habe ich Schmerzen oder anderweitige Probleme mit den Linsen. Ich fahre Auto und das natürlich auch schon wieder genauso schnell wie früher. Einen Halo-Effekt bei Lichtern in der Dunkelheit bemerke ich auch nicht und auch die Farben in ganz weiter Ferne sind weder grau noch sonst irgendwie anders. Im Gegenteil, ich sehe Farben wieder viel intensiver. Erst jetzt merke ich, wie schlecht ich vorher wirklich gesehen habe. Nicht nur was die Kurzsichtigkeit betraf, sondern auch das Farbenspektrum. Vorher war alles irgendwie blasser, verschiedene Grüntöne zum Beispiel habe ich vor der OP gar nicht mehr unterscheiden können, sondern nur noch als einen einzigen Grünton wahrgenommen. Jetzt sehe ich sogar wieder, wie der kleine Drosselmann auf der anderen Straßenseite einen Wurm fängt und wie sich dieser in seinem Schnabel windet. Früher kam ich morgens in die Küche und habe mich geärgert, weil die Theke nicht richtig sauber war. Abends war das mit der Kurzsichtigkeit immer besonders schlimm und selbst Dinge die nur einen Meter entfernt waren, konnte ich nicht mehr klar sehen. Jetzt sehe ich wieder alles, selbst die feinen Staubkörner auf der LED-Stäbchenlampe auf der Küchentheke.

exclamation mark-1Vielleicht ist es ja noch zu früh diese Aussage zu treffen, aber ich denke, es war absolut richtig dass ich diese OP habe machen lassen. Gut möglich, dass die Verträglichkeit jedoch stark von der Persönlichkeit des Linsenträgers abhängt. Ich denke aber auch, dass ein hoher Blutdruck sich negativ auswirken könnte, weil dadurch auch der Augeninnendruck höher ist, oder zumindest schneller ansteigt, als bei jemandem wie mir, bei dem systolischer und diastolischer Wert immer unter 100 liegen. Auch eine cholerische Neigung oder Hypochondrie könnte sich bestimmt negativ auswirken. Immerhin gibt es ja sehr viele Linsenträger die diesen Schritt im Nachhinein bereut haben. Die Frage ist nur, ob es tatsächlich an den Linsen liegt, oder nicht doch eher an der Person und ihrer Einstellung oder ihrem generellen körperlichen und geistigen Befinden. Was die Narkose angeht, so werde ich bei der nächsten Nachuntersuchung (sechs Wochen nach der OP) dieses Thema noch mal ansprechen, denn es kann auf keinen Fall gut sein, wenn sich ein frischoperierter Linsenträger übergeben muss, weil er die Narkose nicht vertragen hat. Auch das Übergeben steigert nämlich den Augeninnendruck. Ich gehe auch mal davon aus, dass alle Patienten wohl so vernünftig sind (oder waren) sich an die Vorschriften zu halten und sie die letzten sechs Stunden vor der OP tatsächlich nichts mehr gegessen und getrunken hatten.

Bis auf die angebotenen Brötchen am OP-Tag, deren Anblick zu mindestens bei mir Übelkeit hätte hervorrufen können, empfand ich jedenfalls alles als OK und ich überlege, ob ich dem Herrn Doktor bei der nächsten Untersuchung nicht auch mal sage, dass er sich einen kleinen Tischkühlschrank kaufen soll. Die gibt es schon für wenige Hundert Euro, selbst mit Glastür. Und wer fast 4.000 Euro pro OP kassiert, der sollte an so etwas meines Erachtens auch nicht sparen!

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COMMENTS

  • Matteo Mikke

    sowas ist immer mit Risiken verbunden. ich habe genug zu Transplantationen auf http://www.meinetransplantation.at/ gelesen.

    aber ich finde es sehr lobenswert, dass die Medizin und Wissenschaft heut zu Tage bereits im Stande ist, so etwas zu bewirken!

    ich habe selber keine Probleme mit meine Augen. aber ich denke, falls ich welche hätte, würde ich evtl auch über eine Transplantation nachdenken.

  • Sigrid Gehring

    Hallo,
    ich werde die Op nächsten Mittwoch vornehmen lassen, allerdings nur in lokaler Anästhesie 😉
    Danke für den Bericht.
    Im Internet findet man sonst nur Negatives über das “danach” Sehen. Ich habe aber auch den Verdacht, dass Menschen, die mit der Op glücklich und zufrieden sind sich weit weniger äußern als solche, die eben unzufrieden sind.
    Ich bin sehr stark kurzsichtig und und weiss, dass es ja nur noch besser werden kann. Deine Geschichte macht mir Hoffnung und bestärkt mich darin, dass ich die richtige Entscheidung treffe.
    Liebe Grüße

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