Ich & Frau Øsel: Neulich im Wartezimmer!

In letzter Zeit sitzen ich & Frau Øsel ja öfter im Wartezimmer „unserer“ Tierärztin. Mit Frau Øsel ist natürlich mein Frauchen gemeint und meinem Frauchen gefällt der Name auch. Wenn Frauchen bei meiner Tierärztin anruft, um einen Termin zu vereinbaren, meldet sie sich sogar schon mit Frau Øsel und dann wissen die Tierarztassistentinnen auch gleich, um wen es geht!

Früher habe ich ja vor dem Tierarzt immer tierischen Schiss gehabt. Ich habe dann im Wartezimmer gesessen und an einem Stück gejault und gezittert, was das Zeug hält. Und wenn das nicht geholfen hat, habe ich sogar meine Blase entleert und dabei wirklich noch den allerletzten Tropfen rausgequetscht! Jeder andere „normale“ Hausbesitzer hätte dich spätestens nach dem zweiten Mal, wo du ihm in die Hütte pinkelst, vor die Tür gesetzt und dir lebenslängliches Hausverbot erteilt — nicht so der Tierarzt! Überall ist Pinkeln in Häusern verboten, nur beim Tierarzt, da ist es komischerweise OK. Beim Tierarzt kommt gleich eine nette Tierarzthelferin mit einem Wischmopp und fegt einfach alles weg. Und statt zu schimpfen, schaut sie dich dabei auch immer noch so verständnisvoll oder mitfühlend an, dass es schon fast weh tut!

Aber heute ist das zum Glück alles anders. Heute juckt mich der Besuch beim Tierarzt nicht mehr! Neulich habe ich im Wartezimmer sogar zwischen drei fetten Katzen gesessen, wovon eine fast größer war als ich und zudem fauchte, wie Shir Khan auf Null-Diät! Als mir sein Gefauche dann allmählich doch auf den Wecker fiel, habe ich ihn einfach bloß mal intensiv angesehen. Danach hat die Mieze dann ihre Klappe gehalten. Ich muss dazu aber auch sagen, dass ich an dem Tag schon wirklich sehr furchteinflößend ausgesehen habe. Ich bin nämlich durch einen Dornenbusch gelaufen und habe mir dabei die Hornhaut verletzt. Mein Frauchen hat mir dann eine Augenklappe verpasst und darauf hatte sie auch noch ein ganz gemein aussehendes, grünes Alien-Auge gemalt! Ich kann euch flüstern — einige der anderen Patienten dort hätten bei meinem Anblick fast noch etwas ganz anderes getan, als bloß Stuhlbeine anzupinkeln! Naja, jetzt trage ich eine Kontaktlinse bis meine Hornhaut wieder verheilt ist. Das ist zwar angenehmer als die Augenklappe, aber zum Tiere-Erschrecken taugt die Kontaktlinse einfach nicht!

Allerdings beschert mir meine Hornhautverletzung nun regelmäßige Kontrollbesuche bei meiner netten Tierärztin. Die Kontaktlinse muss nämlich spätestens alle 2 Wochen einmal rausgenommen und gründlich gesäubert werden. Mittlerweile habe ich schon so etwas wie Routine und freue mich sogar auf die Zeit im Wartezimmer. Irgendwie ist es da richtig spannend und ich verstehe auch gar nicht, wieso ich mich früher immer so aufgeregt habe, wenn ich zum Tierarzt musste. Aber früher habe ich mich auch aufgeregt, wenn ich eine Katze sah!

Neulich saß zum Beispiel noch so ein kleiner Igel im Wartezimmer. Der hat zwar die ganze Zeit geschlafen, sah aber trotzdem lustig aus. Eine braune Kugel mit Stacheln. Manchmal kommen auch Vögel vorbei und einmal habe ich im Wartezimmer sogar Nemo in einem Mini-Aquarium gesehen. Aber es ist sehr schwer mit Fischen Kontakt aufzunehmen, außerdem hört man sie kaum, wenn sie etwas sagen, weil das Wasser alles verzerrt. Ich glaube, um mich mit einem Fisch zu unterhalten, müsste ich den Kopf in das Aquarium stecken und das will ich dann doch nicht. Total interessant finde ich ja auch die Kaninchen mit den superlangen Ohren! Ich frage mich, wie die es überhaupt schaffen, sich von der Stelle zu bewegen ohne sich dabei auf die Ohren zu treten. Aber vielleicht ist das ja auch der Grund, warum sie sich hoppelnd fortbewegen.

Lustig sind auch immer die richtig großen Hunde, die dann vor lauter Angst sogar bei Herrchen oder Frauchen auf den Schoss wollen. Bei meinem letzten Besuch im Wartezimmer war da so ein ausgewachsener Schäferhund. Der hatte auf seinem Brustgeschirr zwar ganz groß das Wort WATCHDOG stehen, hat aber vor lauter Schiss so gehaart, dass der Boden zu seinen Füßen aussah wie eine Fußmatte. Und dann war da noch so ein anderer großer Hund. Ein richtig supergroßer Hund — so Shetland-Pony mäßig groß. Der hatte so viel Angst, dass sein Frauchen es nicht schaffte, ihn zu überreden mit in die Arztpraxis zu gehen. Der Hund streikte schon auf dem Parkplatz, machte dann einfach kehrt, lief zurück zum Auto und das Frauchen wehte hilflos hinterher. Tja, davon kann mein Frauchen auch ein Lied singen. Jedes Mal wenn sie mit Shakira an der Leine unterwegs ist. Shakira und mein Frauchen kämpfen nämlich auch in ein und derselben Gewichtsklasse! Und was man da manchmal nicht an körperlicher Kraft aufbieten kann, muss man eben an psychologischer Kriegsführung drauf haben, sagt mein Frauchen dann immer und in psychologischer Kriegsführung kann Shakira meinem Frauchen eben nicht das Wasser reichen.

Aber — wo war ich? Ach ja, der Shetland-Hund! Jedenfalls musste meine nette Tierärztin schließlich raus auf den Parkplatz, um den total verängstigten Hund im Kofferraum zu behandeln! Tja, bei uns Vierbeinen ist das eben auch nicht viel anders, wie bei den Menschen. Die größten Kerle haben auch den meisten Schiss! Was mich angeht, so laufe ich mittlerweile jedenfalls so fröhlich ins Wartezimmer als wenn ich zum Probeessen in eine Würstchenfabrik käme! Und weil ich Arthrose habe und „Frau Øsel“ auch nicht möchte, dass ich mit dem Popo auf dem kalten Steinboden hocke, nimmt sie für mich auch immer ein Deckchen mit. Da throne ich dann wie ein Pascha und die anderen Hunde und ihre Frauchen oder Herrchen gucken immer ganz blöd. Vor allen Dingen die mit den wirklich kleinen Hunden, die dann da auf dem Boden hocken und zittern und dass nicht nur vor Angst. So ein Steinboden ist eben ganz schön kalt! Einmal habe ich meine Decke sogar mit einem Dackel geteilt. Der Dackel war echt nett und hat mich gleich so überschwänglich begrüßt, als ob wir uns schon ganz lange kennen würden.

Und dann war da noch die Frau mit der komischen Pfeife und dem etwas verhaltensgestörten Hund! Die Pfeife erzeugte einen so hohen Ton, dass sich mein Fell aufgestellt hat wie bei einer Gänsehaut und meinen Leidensgenossen im Wartezimmer erging es ebenso. Die Frau hat gepfiffen und gepfiffen und während alle Herrchen und Frauchen lediglich ein schwaches Röcheln aus der Pfeife vernahmen, ist uns Tieren in dem kleinen Wartezimmer fast das Trommelfell explodiert. Selbst der kleine Inge im Tiefschlaf ist zusammengezuckt! Mein Frauchen hat der Frau dann mal die Leviten gelesen. Dass ihr Hund nämlich so nervös war und keine Kommandos befolgte, kam nur von der Pfeiferei und mein Frauchen hat die Frau dann gefragt, wie sie es denn fände, wenn jemand hier in dem kleinen Raum eine Drucklufthupe benutzen würde. Die Frau hat das aber nicht verstanden und mein Frauchen versteht nicht, warum manche Menschen sich überhaupt ein Haustier zulegen.

Ich habe mein Frauchen dann wieder beruhig, so wie sie mich früher immer beruhigt hat, als ich noch Angst vor dem Tierarzt hatte. Aber früher war auch ich immer der Kleine und mein Frauchen die Große. Jetzt habe ich mein Frauchen altersmäßig überholt und ich bin nun der Große und Ältere/Weisere von uns beiden. Mit dem altern kam bei mir jedenfalls auch die Gelassenheit. Tierärzte beeindrucken mich jetzt nicht mehr, genauso wenig wie Katzen oder bellende Hunde. Nur bei meinem Erzrivalen Spikey da, ja da kommt mein Blut immer noch mal in Wallungen — aber das war’s dann auch schon. Mit dem Laufen habe ich es nämlich auch nicht mehr so. Und Dinge über die ich mich noch vor einem Jahr tierisch aufgeregt hätte, lassen mich heute kalt. Meistens bin ich einfach froh, wenn ich in meinem Körbchen liegen und die Zeit, bis sich mein Futternapf das nächste Mal füllt, einfach verschlafen kann.

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Bildmaterial:
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Post (Blog) Foto: Øsel, Copyright by Kristine Weitzels

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