Ich war bei der Kartenlegerin!

Ausgerechnet ich war bei der Kartenlegerin. Ich — die diesen Dingen ja doch eher sehr skeptisch gegenüber steht. Allerdings rührt meine Skepsis auch eher daher, dass ich genau weiß, wie viele Scharlatane (oder arme Irre) es besonders auf diesem Gebiet gibt. Egal ob Kartenlegen, Handlesen oder im Kaffeesatz stochern! Viele dieser Anbieter glauben ja, dass sie eine besondere Gabe besitzen — also auch kein fachliches Hintergrundwissen benötigen. Sie fühlen sich, aus welchen Gründen auch immer, dazu berufen, das Blaue vom Himmel in ihre Karten oder den Kaffeesatz hineinzuinterpretieren. —Oder es sind ganz einfach gute Geschäftsmänner/frauen, die nur eines genau wissen: wie man anderen das Geld aus der Tasche lockt! Leichte Beute finden sie dann vornehmlich auf sogenannten Esoterikmessen.

Trotzdem weiß ich aber auch, dass es Dinge gibt, die mit dem logischen Verstand zumindest nicht so ohne weiteres zu erklären sind und die trotzdem existieren, bzw. funktionieren. Ich glaube allerdings auch, dass wir alle — ohne Ausnahmen — diese besondere Gabe besitzen. Ich bezeichne sie jedoch lieber als den siebten Sinn und dieser ist zudem so facettenreich, dass man damit wahrlich mehr tun kann als Kartenlesen, etc. Nur dass sehr viele Menschen diesen siebten Sinn eben nicht oder zumindest nicht bewusst nutzen. Und die meisten derjenigen die diese „übernatürliche Fähigkeit“  bewusst nutzen, interpretieren leider mehr da hinein als gut für ihren eigenen, gesunden Menschenverstand wäre. Deshalb wäre es mir auch nie in den Sinn gekommen, eine Kartenlegerin aufzusuchen, obwohl ich das Thema an sich ja schon sehr spannend finde.

Nun gibt es aber auch keine Zufälle und somit ist es auch bestimmt keiner, dass ich schließlich doch noch jemanden getroffen habe der Karten legt und dem ich auch durchaus zutraue, dass er dies gewissenhaft und mit dem nötigen Knowhow tut.

mandala-811304_640Hier nun  die Geschichte dazu.

Ich wundere mich ja immer wieder darüber, wie viele von Kopf bis Wade gepflegte Menschen es gibt — bis dann der Sommer kommt und man die Füße sieht. Ich glaube, es gibt Menschen, denen jeglicher Bezug zu ihren Füßen fehlt! Was sagt das über die Person selbst aus? Das wäre doch bestimmt auch mal ein spannendes Thema für einen Blog?! Was mich betrifft, so pflege ich meine Füße jedenfalls genauso gut wie den Rest meines Körpers und deshalb besuche ich auch schon seit vielen, vielen Jahren einmal im Monat die medizinische Fußpflegerin meines Vertrauens. Und weil ich auch schon so lange zu meiner „Fußfee“ gehe, habe ich mir natürlich im Laufe der Zeit auch eine Meinung über sie gebildet. So habe ich meine Fußfee immer für eine Person gehalten, die mit ihren eigenen Füßen sehr fest auf dem Boden steht und ich hätte sie auch immer eher als sehr nüchterne und realitätsnahe Person beschrieben. Im Laufe der vielen Jahre, in der sie nun schon regelmäßig meine Füße versorgt, sind wir nämlich unweigerlich auch ins Gespräch gekommen und haben uns schon über so einiges unterhalten.  (Unweigerlich auch deshalb, weil mein Lebensgefährte und ich immer gemeinsam zur Fußpflege gehen und Theo einfach JEDEN ohne Ausnahme in ein Gespräch verstrickt!)

Entsprechend war ich dann auch ziemlich überrascht, als meine ansonsten eher pragmatische Fußfee plötzlich ein kleines Tattoo mit esoterischen Touch auf dem rechten Handrücken offenbarte. MIDLIFE KRISIS — war das erste was mir durch den Kopf schoss, verbunden mit der erschreckenden Erkenntnis, dass diese fürchterliche Krankheit scheinbar selbst noch die bodenständigsten Frauen heimsuchte! Immerhin, meine Fußfee ist in meinem Alter und wer lässt sich mit über 50 denn noch tätowieren (jedenfalls, wenn er noch ganz bei Trost ist.) Aber im Falle meiner Fußfee revidierte ich meine diesbezügliche Meinung dann doch noch mal, als sie mir und Theo nämlich die Geschichte zu diesem kleinen Tattoo erzählte.

So erfuhren wir, dass unsere Fußfee im vergangenen Jahr eine einjährige Ausbildung zur Kartenlegerin gemacht hatte und die Tätowierung ein Symbol aus den Karten darstellte. Natürlich war ich überrascht, dass es so etwas wie eine „Ausbildung zur Kartenlegerin“ überhaupt gibt. Jetzt hatte meine Fußfee ihre Ausbildung jedenfalls beendet und das Tattoo, neben dem Fakt, dass es für sie auch noch eine persönliche Bedeutung hat, konnte ihr natürlich beim Werben um Klienten für ihren neue „Berufung“ behilflich sein: Wenn jemand sie nach dem Tattoo fragte und sie diese Person für aufgeschlossen ggü. dem Kartenlegen hielt, dann konnte sie, so wie sie es bei Theo und mir auch getan hatte, denjenigen über ihren „Zweitberuf“ als Kartenlegerin informieren und ansonsten reichte es ja auch, einfach zu sagen, dass ihr eben der Sinn nach einem Tattoo gestanden hätte. Diese Idee mit dem Tattoo war zugegebenermaßen brillant! Und ich finde man kann besser für eine konversionsgestörte Frau in der Midlife Krisis gehalten werden als für eine Gaga-Esoterikerin, im Falle dass mal jemand so rein gar nichts mit Kartenlegen am Hut hat! Außerdem unterliegt eben diese Stelle auf dem Handrücken auch nicht der Schwerkraft und somit wird das kleine Tattoo auch in 20 oder 30 Jahren noch genauso aussehen und nicht wie ein verschmiertes Gekrakel. Und da die Fußfee während der eigentlichen Arbeit ja auch immer Gummihandschuhe trägt, kann sie das Tattoo ggf. auch ganz verbergen.

oracle-cards-437688_640Ich habe dann auch nicht sehr lange nachdenken müssen, sondern rief meine Fußfee schon ein paar Wochen später an und vereinbarte einen Termin zum Kartenlegen. Empfangen wurde ich diesmal natürlich auch nicht in der Praxis, sondern in einem geschmackvoll eingerichteten Raum, mit einem sehr alten Sekretär an den wir uns gegenüber setzten. Auf dem Sekretär lag ein Stapel sehr großer Karten, um die meine Kartenlegerin, alias Fußfee, auch noch ein schönes Band drapiert hatte. Aber als allererstes errechnete sie dann aus meinem Geburtsdatum meine Lebenskarte. Diese zählte sie dann aus dem Stapel Karten heraus und legte sie mitten auf den Tisch. Meine Lebenskarte ist der Magier und zuerst war ich darüber auch gar nicht glücklich, sondern eher verärgert! Ausgerechnet ein Magier! Wo ich doch so gar nichts mit Hokuspokus am Hut habe! Aber dann erklärte mir meine Kartenlegerin, dass der Magier auch nicht für die Zauberei stünde, sondern vielmehr für die Redegewandtheit. Das passte schon eher, dachte ich dann. Denn immerhin schreibe ich und wer schreibt, muss mit Wörtern umgehen können und in der Tat war ich auch immer schon sehr eloquent. —Ich kann sogar so gut reden, dass ich einige meiner Zeitgenossen damit auch schon mal bis zur Weißglut treibe oder bis in die oberste Spitze einer Palme. Letzteres macht besonders viel Spaß und meistens geschieht das, wenn den anderen die Argumente ausgehen. Aber das Schönste für mich sind sachliche Wortgefechte. Nur leider habe ich für mich auch feststellen müssen, dass es kaum noch Menschen gibt, bei denen es sich lohnt den Mund überhaupt aufzumachen, denn small talk liegt mir nicht und die redegewandten sterben aus.

Als nächstes forderte mich meine Kartenlegerin auf, den Stapel Karten auf dem Tisch auszubreiten/aufzufächern, so wie es der Croupier am Black Jack Tisch im Kasino ebenfalls tut, und dann sollte ich mehrere Karten ziehen. —Unter anderem zog ich zum Beispiel die Karte „Königin der Schwerter“ und „König der Schwerter“. Die Königin der Schwerter, so erklärte mir meine Kartenlegerin, steht für die Eigenschaft anderen Menschen ihre Maske herunterzureißen und hinter die Fassade zu blicken. —Etwas das ich tatsächlich gut kann, jedenfalls so lange es Menschen betrifft die mir persönlich nicht nahe stehen, denn dann sehe ich meist den Wald vor lauter Bäumen nicht. Aber genau wegen dieser Eigenschaft bezeichne ich mich auch lieber als Psychoanalytikern, denn als Psychotherapeutin. Ich brauche bei meinen Klienten tatsächlich nie sehr lange, um des Pudels Kern zu finden.

Alles in allem ergaben die gezogenen Karten Aufschluss über meine Persönlichkeit, meine Fähigkeiten oder wie ich Dinge handhabe/angehe. Was mir meine Kartenlegerin dann dazu erzählte, war alles in allem auch sehr zutreffend. So nehme ich so gut wie nie den einfachen Weg, um ans Ziel zu kommen und ich gehe auch gerne mit dem Kopf durch die Wand. Das war auch noch so eine Sache die meine Kartenlegerin mir dann sagte: Ich sei zu viel in meinem Kopf! Bis dahin war mir das noch nie so bewusst gewesen, aber ich merkte schon, dass sie damit ebenfalls recht hatte. Das mag zwar paradox klingen, aber obwohl ich redegewandt bin und auch sehr gerne eine „gute“ Unterhaltung führe, kann ich auch sehr gut tagelang kaum mit jemandem sprechen ohne, dass mir dabei die Decke auf den Kopf fällt. Ich bin gerne in meinem Kopf und hänge meinen Gedanken oder Ideen nach, ohne dass ich grübele. Theo ist in dieser Hinsicht zum Beispiel ganz anders. Wenn der nicht jeden Tag mindestens drei Menschen einen Knopf an die Backe labern kann, dann fehlt ihm definitiv was!

clovers-161400_6401Was mich dann jedoch total verblüffte, war die nächste Karte die ich ziehen musste. Auf dieser Karte stand GLÜCK. Ein bisschen Glück ist immer das gewesen, was ich mir für mein Leben gewünscht hätte — obwohl ich noch nicht mal weiß, ob es so etwas wie Glück tatsächlich gibt. Vielleicht ist Glück ja bloß genauso ein Trugschluss wie Zufall, aber dann könnte es folglich auch kein Pech geben. (Und vielleicht ist das ja auch mal ein Thema für einen anderen Blog.) Jedenfalls — alles was ich im Leben erreicht habe, habe ich lediglich durch harte Arbeit erreicht. Mir ist auch noch nie etwas in den Schoss gefallen und  ich würde mich persönlich auch immer als eine Person bezeichnen, die nicht gerade vom Glück verwöhnt wurde. —Obwohl es bestimmt auch Menschen geben wird, die das anderes sehen. Aber das Gras ist ja bekanntlich wo anders immer grüner. Ich würde jedenfalls gerne glauben, dass diese Glücks-Karte eine positive Bedeutung in meiner Zukunft hat. Und in diesem Zusammenhang ergab dann auch die Aussage meiner Kartenlegerin wieder Sinn, die aus der ganzen Konstellation meiner Karten herauslas, dass ich mehr auf das Timing achten sollte. Also nicht immer gleich mit dem Kopf durch die Wand oder den kürzesten Weg zum Ziel wählen. Manchmal ist es besser den richtigen Moment abzuwarten und auch den Weg mit mehr Bedacht zu wählen. Opportunismus liegt mir zwar genauso wenig wie small talk, aber auch ich werde älter und mittlerweile bin ich zumindest schon so weit, dass ich nicht mehr um jeden Preis für alles kämpfe. Ich werde jedenfalls versuchen, diese Aussagen künftig ein wenig mehr zu beherzigen und dann sehen, wie sich die Dinge entwickeln.

Aber natürlich braucht man für das Kartenlegen auch so etwas auch ein Anliegen, etwas das einem die Karten verraten oder zeigen sollen. Ich wählte dafür ein Thema, bei dem ich bald eine Entscheidung würde treffen müssen. Dabei geht es um etwas das genaugenommen eine Verbesserung der Lebensqualität bedeuten würde. Im Gegensatz zu Theo war ich mir dessen aber noch nicht ganz so sicher, ob diese Entscheidung wirklich richtig sein würde. Die Karten ergaben aber dann genau das, was Theo ebenfalls schon „prophezeit“ hatte und das meine diesbezüglichen Bedenken unbegründet seien. —Naja, die Zukunft wird uns lehren, ob die Karten und Theo recht hatten. Für mich wäre das dann auch so etwas wie ein Beweis, dass das mit dem Kartenlegen tatsächlich funktioniert.

Das wirklich bemerkenswerte und zugleich amüsante an dieser Geschichte ist allerdings etwas ganz anderes: Wer mein erstes Buch »Erzählende Seelen« gelesen hat, der weiß, dass der Buddha auf der Theke meiner damaligen „Nagelfee“ ausschlaggebend für meine erste Rückführung war. Durch die Empfehlung dieser „Nagelfee“ lernte ich damals zeitgleich aber auch meine heutige „Fußfee“ kennen, die ich jetzt als Kartenlegerin besuchte.

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