Sexismus lebt ― ja Gott sei Dank, kann ich nur sagen! 2.Teil

Zweiter Teil deshalb, weil ich 2014 (Blog 37) schon einmal darüber geschrieben habe. (Und weil mir das Titelfoto von damals immer noch so gut gefällt, habe ich es für diesen Blog noch einmal verwendet.)

Es ist schon ein paar Wochen her, da kochte die Sexismus-Debatte wieder einmal hoch. Da wurde im Radio (WDR5 5) von einer CDU-Politikerin berichtet, die zu einem Parteitag ihre kleine Tochter mitbrachte. Ein Parteigenosse begrüßte das Mädchen mit »Oh, eine süße kleine Maus.« Und danach sagte er dann zur Mutter: »Und eine große süße Maus.«

Zumindest die als „große süße Maus“ titulierte fühlte sich dadurch in ihrem Geschlecht diskriminiert — ja man könnte fast sagen „auf den Schlips getreten“, wenn es sich bei ihr nicht um eine Frau gehandelt hätte. (Frage: Ist es sexistisch, wenn ich einer Frau unterstelle, sich auf den Schlips getreten zu fühlen oder ist das noch Satire?)

elephant-trapJedenfalls stufte die Frau die zugegebenermaßen plumpe, aber doch vor allen Dingen auch sehr unbeholfene Äußerung ihres Genossen als sexistisch ein. Wobei — jeder der ein Quäntchen Intelligenz und Einfühlungsvermögen besitzt, sollte doch in der Lage sein, den Gedankengang dieses Mannes nachzuvollziehen: Er hat einem Kind ein nettes Kompliment gemacht und wollte die Mutter nicht übergehen. (Man könnte auch sagen, er hat eben genau das nicht versucht zu tun, wessen er dann beschuldigt wurde: die Frau zu diskriminieren weil sie kein Kind mehr ist und man ihr deshalb kein nettes Kompliment mehr machen kann.) Dass er bei seinem Versuch nicht zu diskriminieren vielleicht besser hätte nachdenken sollen, als intuitiv etwas zu sagen, — immerhin handelte es sich bei der Frau um eine Parteigenossin und keine Bierzeltbekanntschaft — stimmt schon. Aber muss man die Angelegenheit so aufbauschen? Mir scheint, diese Politikerin hat den Vorfall lediglich zum Anlass genommen, auch mal in den Medien Erwähnung zu finden — und das wäre dann wirklich verwerflich, weil sie sich den vermeintlichen Sexismus zu Nutze gemacht hätte. Vermeintlich deshalb, weil Sexismus, wie oben schon beschrieben, eine geschlechtliche Diskriminierung bedeutet und Diskriminierung bedeutet Benachteiligung oder zumindest eine Herabwürdigung. Im Falle dieser Politikerin hat so etwas aber nicht stattgefunden, sondern lediglich — und wenn überhaupt — eine Beleidigung.

Was ich so bedauerlich finde, dass dieser Vorfall ausgerechnet von einer CDU-Politikerin so aufgebauscht wurde. Von allen Politikerinnen hätte ich die in der CDU (mit Ausnahme der Grünen vielleicht) nämlich noch am aufgeschlossensten und „emanzipiertesten“ gehalten. Jedenfalls, wenn mir so etwas passiert wäre, dann hätte ich dem Herren eine passende Antwort gegeben, z.B. so etwas wie: »Ich sehe zwar keine große süße Maus, dafür aber einen dicken Elefant im Porzellanladen!« Aber Redegewandtheit ist eine aussterbende Eigenschaft, selbst unter Politikern. (Auch deshalb wundert mich die Empörung dieser Frau. Sie müsste doch eigentlich wissen, dass Politiker (egal ob weiblich oder männlich) gerne viel dummes Zeug erzählen!!

woman-163581_640Jedenfalls ging die Sexismus-Debatte im Radio dann noch ein Weilchen so weiter. Berichtet wurde auch von Frauen in Führungspositionen die wegen ihres zu modernen Kleidungsstils kritisiert wurden — allerdings ebenfalls von Frauen. Dazu kann ich dann allerdings auch so das ein oder andere berichten. Während meinen Ausbildungen/Fortbildungen in der einen oder anderen Therapierichtung ist mir das nämlich ständig passiert. Es gab genaugenommen kaum ein Seminar bei dem ich nicht wegen meines „zu gestylten Aussehens“ kritisiert wurde. Bei vielen galt ich deshalb als eitel — ergo als dumm und oberflächlich — ergo als nicht geeignet für den Beruf! Schon dass ich damals, mit Anfang 40, noch Kleidergröße 36 trug (die trage ich übrigens heute noch immer und das ohne den Bauch einzuziehen) stieß bei vielen Frauen auf Argwohn und durch meine modernen Jeans wurde ich gerne als unreif dargestellt. So viel zum Schubladendenken unter Therapeuten. —Und auch meine Lehrer und Lehrerinnen waren nicht alle frei davon. Ich habe dies allerdings immer als Vorteil gesehen, weil ich so einfacher herausfinden konnte, wer z.B. von meinen Mitschülern mit mir auf einer Wellenlänge war und wer nicht. Leider war es nämlich auch nicht so, dass die Frauen, die ebenfalls eher als modisch bewusst einzustufen gewesen wären weniger Vorurteile gehabt hätten. Das Gegenteil war eher der Fall. Gerade unter Frauen die (viel) Wert auf ihr Äußeres legen ist die Stutenbissigkeit nämlich enorm hoch. Und was die Lehrer anging, die merkten bei mir eh ganz schnell, dass sie zu Beginn voreingenommen gewesen waren. Einige konnten dann ihre Meinung auch ganz gut revidieren, anderen viel dies schwer, aber das sagte ja letztendlich immer mehr über diese Personen aus als über mich. Trotzdem wäre es mir damals nie in den Sinn gekommen, diese Vorfälle als sexistisch einzustufen.

Jedenfalls — so wie ich auch schon in meinem ersten Blog über Sexismus geschrieben habe: Ein bisschen Sexismus hat noch niemandem geschadet. Wenn ich z.B. ein paar Mädels zum vegetarischen Lasagne essen einlade, dann will ich ganz bewusst keine Kerle dabei haben und das gilt dann auch für Theo. Und das ist wirklich Sexismus, weil ich ihn schlicht und ergreifend wegen seines Geschlechtes ausgrenze und nicht an der Party teilhaben lasse, egal wie sehr er auch bettelt. (Nicht, dass er so versessen auf meine vegetarische Lasagne wäre, aber nichts tut er lieber als mit einem Haufen Weiber zu tratschen, außer vielleicht Golf zu spielen.) Und ich habe z.B. eine Freundin, wenn die zum Kaffee kommt, dann ist Theo auch nie weit — obwohl er genau weiß, dass sie ihn immer wegen seines Geschlechts auf die Schippe nimmt.

Ich finde, besonders als Frau kommt es auch immer darauf an, wie man mit Sexismus umgeht. Bei einer selbstbewussten Frau wird sich ein Mann jedenfalls nur einmal die Finger verbrennen und damit meine ich nicht, dass sie, wie diese CDU-Politikerin, die ganze Sache unnötig aufbauscht. Außerdem bin ich auch immer noch überzeugt davon, dass es gerade im Berufsleben vor allen Dingen auf die Qualifikation ankommt. Aber natürlich ist es als Frau leichter zu sagen, man hat den Job oder die Beförderung nicht bekommen, eben weil man „nur“ eine Frau ist, als zuzugeben, dass ein männlicher Mitbewerber ganz einfach die besseren Skills hatte. Umgekehrt gilt natürlich dasselbe und auch als Mann ist es einfacher zu sagen, dass die Mitbewerberin den Job oder die Beförderung nur wegen der Frauenquote bekommen hat. Sexismus ist ein guter Sündenbock für die eigenen Unzulänglichkeiten. (Und was die Frauenquote angeht, die finde ich einfach nur peinlich.)

emancipation-156066_640Gleichzeit wird ja auch immer so viel über Feministinnen und Emanzipation geschrieben. Ich finde, wer sich selbst als emanzipiert bezeichnet, der (oder besser die) muss auch in der Lage sein, sich selbst gegen ein bisschen Sexismus zu wehren. Ich persönlich betrachte mich jedoch weder als besonders emanzipiert, noch brauche ich Feministinnen, um an mein Recht zu kommen! Und wie ich ebenfalls schon einmal geschrieben habe, bin ich immer noch für jeden Kerl dankbar, der am Bahnsteig meinen 60 Kilo schweren Koffer schleppt. Und ich habe auch nichts gegen kochende und bügelnde oder putzende Männer. Die Sache ist nämlich ganz einfach: Je mehr Mann kann, desto weniger brauche ich selbst tun. Und wer sagt, dass Männer nur mit Werkzeug umgehen können müssen. Ich bin für absolute Gleichberechtigung und wegen mir dürften Männer auch ruhig Kinderkriegen.

Und was die Pflege oder das Aussehen angeht: Natürlich „pflege“ und „style“ ich mich in allererster Linie für mich selbst (und dabei ist das noch nicht einmal sehr aufwendig, denn ich bin eher ein praktischer Typ), aber ich finde es auch schön, dass dies so ganz ab und zu bei anderen — egal, ob bei Männern oder Frauen — auf Anerkennung stößt und wenn ich das gerade bei Männern auch noch ausnützen kann, (siehe 60 Kilo schweren Koffer) tja dann… .

shutterstock_326724134Ohne ein bisschen Sexismus hätte ich Angst, dass wir alle zu verklemmten und bigotten Individuen verkommen — Männer wie Frauen gleichermaßen. Die Italiener gehen mit Sexismus irgendwie besser um, das bilde ich mir zumindest ein. Erstens legen viele Italienerinnen, und nicht nur die berufstätigen, viel mehr Wert auf ihr Äußeres als zum Beispiel deutsche Frauen. (Welche deutsche Frau geht schon auf hohen Pumps, im engen Rock, mit perfekt gestylten Haaren, roten Fingernägeln und vollständigem Make-up zum Supermarkt?) Zweitens „bekämpfen“ die Italiener den sexuellen Frust ihrer Landsleute sehr gut mit ihren Litfaßsäulen und Plakattafeln. An fast jeder Litfaßsäule oder Plakattafel in Italien hängt mindestens ein großes Poster mit Werbung für Dessous. Die Frauen schauen auf die schöne Unterwäsche, die Männer auf das Modell. Ich glaube, mehr von solcher Werbung würde auch den Deutschen gut tun. Bei welchem Mann würde die Laune morgens auf dem Weg zur Arbeit nicht ebenfalls gleich steigen, wenn er auf das Poster einer schönen Frau in Unterwäsche blicken könnte? Und ich persönlich hätte auch nichts gegen mehr Werbung von gutaussehenden, jungen und muskulösen Männern in Unterwäsche. Vielleicht würde auch die Zahl der Auffahrunfälle dadurch steigen, zumindest anfänglich und es würde bestimmt auch wieder ein paar muslimische Sittenwächter auf den Plan rufen, aber ich finde das wäre die Sache schon wert. Ich für meinen Teil schaue mir nämlich genauso gerne eine schöne Frau an wie einen schönen Mann.

Aber wo hört plumpes Benehmen auf, so wie im Falle von dieser CDU-Politikerin mokiert, und wo fängt wirklicher Sexismus an? Natürlich da, wo ich wegen meines Geschlechtes tatsächlich diskriminiert werde, im Sinne von Benachteiligung und/oder Herabwürdigung — dass ich etwas nicht bekomme oder etwas nicht tun kann auf Grund meines Geschlechtes. Natürlich kann Sexismus auch ein negatives Gefühl sein. Aber solange ich keine Anfeindung wahrnehmen kann, ist es für mich auch kein Sexismus. Auch wenn mir jemand anerkennende Blicke zuwirft, hat das für mich nichts mit Sexismus zu tun. Anders hingegen empfinde ich die Blicke, die ich jetzt teilweise von männlichen Flüchtlingen erhalte. Gefühlt nehme ich sie jedenfalls eindeutig als Anfeindung war. Diese Blicke sind missbilligend oder lüstern und auf jeden Fall sexistisch. Doch auch hier wird wieder mit zweierlei Maß gemessen. Das es in Flüchtlingsunterkünften immer wieder ganz massiv zu sexuellen Übergriffen auf Flüchtlings-Frauen kommt und viele männliche Flüchtlinge sich bspw. auch schlichtweg weigern, sich von weiblichen Ärzten behandeln zu lassen, wird von den Politikern wie von der Presse einfach unter den Teppich gekehrt. Ebenso wie die Tatsache, dass es immer noch sexuelle Übergriffe von männliche Flüchtlingen auf deutsche Frauen, ähnliche denen in der Silvesternacht gibt. Doch das alles wird von der Bundesregierung auf die leichte Schulter genommen. —Umso verwerflicher finde ich da „das Erlebnis“ dieser CDU-Politikerin, die aus einer Mücke einen Elefanten machte, allerdings nicht so wie sie es hätte tun können, wenn sie cool gewesen wäre.mouse-46811_1280

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